Wein-Geister-Lesungen 2021

Programm des zweiten Halbjahrs 2021

Dienstag, 29. Juni 29021, 19 Uhr

 

 

 

 

Steffen Kopetzky liest aus Monschau

Am 29. Juni 2021 ab 19.00 Uhr wird Steffen Kopetzky im Arboretum Melzingen im Rahmen der Wein-Geister-Literaturreihe aus seinem neuesten Roman „Monschau“ lesen:

Im Jahr 1962 , als das nukleare Wettrüsten seinen Höhepunkt erreicht, als in Algier und Paris Bomben explodieren, bricht im Wirtschaftswunder-Deutschland der junge Mediziner Nikolaos Spyridakis in die Eifel auf. Im Kreis Monschau sind die Pocken ausgebrochen, hochansteckend und lebensgefährlich. Mitten im Karneval droht nun Stillstand, Quaratäne. Der Rither-Chef will die Fabrik um jeden Preis offen halten, keine zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist man weltweit gut im Geschäft. Ganz andere Pläne hegt Vera Rither: die Alleinerbin studiert in Paris, bewundert Simone de Beauvoir und kehrt mit Jazzplatten und einer Schreibmaschine zurück nach Monschau. Dort begegnet sie Nikolaos, der als Betriebsarzt durch die tief verschneite Eifel zur Patientenvisite gefahren wird, vor Ansteckung geschützt durch einen Stahlabeiteranzug. So unterschiedlich die beiden auch sind – der kretische Arzt, der als Kind die Gräuel der deutschen Besatzung miterlebt hat, und die schwerreiche Vollwaise – sie entdecken schnell, dass sie mehr verbindet als die Liebe zu Miles Davis. Doch die Krankheitsfälle häufen sich, und das Virus nimmt sich, was es kriegen kann.

Steffen Kopetzky erzählt von einer Liebe im Ausnahmezustand, von einer Krise und dem Medienereignis der jungen Bundesrepublik und verwandelt ein Kapitel deutscher Geschichte in packende Literatur.

Kartenvorverkauf in der Ratsweinhandlung Uelzen und im Arboretum Melzingen.

 

Mittwoch, 21.Juli 2021, 19 Uhr

 

Lea Singer liest aus La Fenice

Am 21. Juli um 19 Uhr wird Lea Singer im Arboretum Melzingen aus ihrem neuesten Roman „La Fenice“ lesen:

„Was du für dein Recht hältst, ist das, worauf du dich niemals verlassen solltest. Falls du es tust, rechne mit allem“, das hatte der Vater der Protagonistin dieses Romans  mit auf den Lebensweg gegeben – und sie hat das beherzigt. Am Ende des Buches sagt Angela del Moro: „Eine Geschichte, die anderen nützt, vielleicht noch in ferner Zukunft“, mehr soll ihr Bericht gar nicht sein. Das deutet auf die Aktualität dieser historischen Begebenheit hin. Als sie das ausspricht, ist die junge Frau dreiundzwanzig Jahre alt und hat mehr hinter sich als andere im doppelten Alter. Schon mit sechzehn hat sie es zu etwas gebracht, als Kurtisane, der einzige Beruf, in dem sie Geld verdienen und im Venedig des sechzehnten Jahrhunderts ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Der Absturz beginnt mit einem Nein: Sie wagt es, einen einflussreichen Stammkunden wegzuschicken, und die Rache des Abgewiesenen ist mörderisch. Solch eine Situation ist eigentlich kaum zu überleben, aber Angela will kein Opfer sein. Ihr Wiederaufstieg ist eine Sensation. Das kann nicht nur gut gehen. Lea Singer erzählt die historisch verbürgten Erlebnisse einer jungen Frau, La Zaffetta genannt, im Venedig der Renaissance und offenbart, wie nebenbei, die Abgründe der Serenissima in der Zeit eines Tizian oder Aretino. Sie spricht durch die Person einer jungen Frau, die einen Skandal auslöste, weil sie sich das Recht nahm, ihre Wünsche zu leben. Und die zum Kult wurde auf einem der berühmtesten Bilder der Welt: Tizians Venus von Urbino.

„’La Fenice’ besticht nicht nur durch die starke Protagonistin, sondern vor allem durch Singers Sprache, die auch einem Phönix ähnelt: mächtig, mitreißend und schmerzhaft schön gerade dort, wo man es nicht erwartet.“ (SZ)

Kartenvorverkauf in der Ratsweinhandlung Uelzen und im Arboretum Melzingen.

 

Mittwoch, 6. Oktober 2021, 19 Uhr

 

Simon Urban liest aus Wie alles begann und wer dabei umkam

Am 6. Oktober um 19.00 Uhr liest Simon Urban in Uelzen aus seinem unterhaltsamen Roman „Wie alles begann und wer dabei umkam“. (Der Veranstaltungsort wird – je nach Infektionslage – noch bekanntgegeben.)

Dieses Buch ist ein furioser Schelmenroman über einen Juristen, dem die Sicherungen durchbrennen: böse, treffsicher und extrem witzig.

Wo endet ein inselbegabter Jurastudent, der an den starren Regelwerken des Gesetzes verzweifelt und beschließt, das Recht selbst in die Hand zu nehmen? In einer Gefängniszelle! Was aber zwischendurch geschieht, ist so unglaublich und derart gnadenlos und witzig erzählt, dass einem die Luft wegbleibt. Bereits als Kind findet der Held dieses Romans zur Juristerei: Er bereitet ein Verfahren gegen seine Großmutter vor, den Drachen der Familie – und verurteilt sie im Wohnzimmer in Abwesenheit zum Tode. Berufung: nicht möglich. Dass ein Jurastudium im beschaulichen Freiburg einem solchen Charakter nicht gut bekommt, ahnt man schnell. Auch hier kann er die Finger nicht von den Gesetzen lassen und nimmt das Recht in die eigene Hand. – Simon Urban gehört zu den großen, mutigen Erzähltalenten seiner Generation. In seinem neuen Roman entfesselt er eine kuriose Geschichte um einen Außenseiter, der zum dunklen Rächer wird. Und der zuvor auszieht, um sich auf einer weltweiten Recherchereise am Unrecht und Recht der Welt zu schulen.  „Wie alles begann und wer dabei umkam“ ist eine bitterböse Gesellschaftsanalyse und eine literarisch brillante Auseinandersetzung mit Regelwerken, die unser aller Leben bestimmen. Wo sind Widerworte gegen das Gesetz gefragt – und wo eskaliert das eigene Ungerechtigkeitsempfinden in wahnwitziger Selbstjustiz?

„Bizarre Dialoge,. Exotische Szenerien, böse Pointen, unverblümte Erotik – und genüssliche Gewaltszenen dekorieren und variieren die satanische Grundidee, die – man darf gern an Dostojewskis ‚Verbrechen und Strafe’ oder an Aischylos‚ ‚Orestie’ denken – sehr geräumig ist und viel tragen kann.“ (Frankfurter Rundschau)

Kartenvorverkauf in der Ratsweinhandlung Uelzen.

 

Mittwoch, 10. November 2021, 19 Uhr

 

Svenja Leiber liest aus Kazimira

Am 10. November um 19.00 Uhr liest Svenja Leiber in Uelzen   aus ihrem dann ganz frisch bei Suhrkamp erschienenen Roman „Kazimira“ (der Ort wird noch kurzfristig bekannt gegeben):

Ein abgelegener Ort im Samland, Ende des 19. Jahrhunderts. Kazimira bringt ihrem Mann Antas angeschwemmten Bernstein vom Ostseestrand jenseits der Düne. Keiner schnitzt ihn so gut wie der einfache Dreher. Das weiß auch Moritz Hirschberg, Eigentümer der Bernsteingrube am Weststrand. Antas wird einer seiner wichtigsten Arbeiter, aber Kazimira hat die besten Ideen für Verarbeitung und Schliff der Steine. Als das Wagnis des Untertagebaus sich endlich auszahlt und die Grube zum Erfolg wird, werden jedoch nicht nur Neid und Missgunst, sondern auch Antisemitismus und Nationalismus laut im Kaiserreich. Und Kazimira muss erfahren, dass sie ihren Weg allein zu gehen hat, erst recht, als ihr Sohn am Ersten Weltkrieg zerbricht. Drei Jahrzehnte später, am Ende des Zweiten Weltkriegs wird sie am Weststrand, einst Ort des Wohlstands und Fortschritts, letzte Zeugin deutscher Verbrechen.

In „Kazimira“ erzählt Svenja Leiber vom größten Bernsteinabbau der Geschichte. Im Aufstieg und Verfall der „Annagrube“ und ihrem Nachwirken im heutigen Russland spiegeln sich dabei drängende Fragen: Woher rühren Hass und Gewalt? Was geschieht, wenn Leben für unwert erklärt wird? Die Frauen, denen der Roman einfühlsam über fünf Generationen folgt, entwerfen eine Gegenwelt – im Mittelpunkt: Kazimira und ihr Ringen um Selbstbestimmung.

Kartenvorverkauf in der Ratsweinhandlung Uelzen.