Begrüßung

Werner-Bergengruen-Preis 2013

Begrüßung

Eckhard Lange

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst den Werner-Bergengruen-Preisträger des Jahres 2013 begrüßen: Kurt Drawert, der aus seiner Darmstadter Literaturwerkstatt zu uns gekommen ist. Herzlich Willkommen in Uelzen! Dann begrüße ich genauso herzlich den Hauptjuror und Laudator unserer heutigen Preisverleihung: Dr. Tilman Spreckelsen, Redakteur derFrankfurtere Allgemeinen Zeitung. Er hat sich also vom Main her nach Uelzen aufgemacht. Weniger weit her, aus Hamburg, hat es sein Mitjuror Wend Kässens, der uns schon lange mit gutem Rat zur Seite steht, ehemals Literaturchef im NDR-Hörfunk und bekannter Moderator des Literarischen Caféhauses, das es nicht mehr gibt und ohne ihn so wohl auch nicht mehr geben kann. Sei gegrüßt, lieber Wend! Die anderen Mitjuroren, die Preisträger der vergangenen Jahre, Svenja Leiber und Peter Kurzeck, haben ihre Glückwünsche an den neuen Preisträger von ferne übermittelt: die eine aus Spanien, der andere aus Sussex in Südfrankreich. Die beiden politischen Repräsentanten von Kreis und Stadt Uelzen, Landrat Dr. Heiko Blume und Bürgermeister Otto Lukat, schließen sich, wie Sie mir mitteilten, diesen Glückwünschen an. Sie haben am heutigen Tag längerfristig festgelegte Termine wahrzunehmen. Einer, dem ich hier auch gern die Hand geschüttelt hätte, wird sein Grußwort gleich per Video übermitteln: der Sponsor des diesjährigen Bergengruen-Preises, der Verleger Dr. Dirk Ippen. Er hat meine eher schüchterne Anfrage postwendend positiv beschieden und gleich mit einem Bergengruen-Gedicht geantwortet. Die Werner-Bergengruen-Gesellschaft ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Ebenfalls zu danken ist der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, die heute durch Herrn Bauck vertreten wird. Sie stellt uns nun schon zum dritten Mal diesen schönen Saal über den Dächern von Uelzen für eine Preisverleihung zur Verfügung. Last but not least begrüße ich unter uns die Tochter Werner Bergengruens, Maria Schütze-Bergengruen, die aus Fuchstal-Leder, aus der Nähe von München, nach Uelzen gereist ist.

Sie sehen, meine Damen und Herren, der Werner-Bergengruen-Preis und die Werner-Bergengruen-Gesellschaft tragen den Namen Uelzens weit über Niedersachsen hinaus. Aus Rom kam vor kurzem die Nachricht, dass dieser Name inzwischen die nächste Nähe des Papstes, Erzbischof Gänswein, Präfekt des päpstlichen Hauses, erreicht hat.

Nun aber darf ich um die Video-Botschaft von Dr. Dirk Ippen bitten und dabei den Vertretern der Allgemeinen Zeitung für die Lüneburger Heide für die technische Hilfe danken. Frau Kohnke-Löbert begrüße ich als Berichterstatterin.

[Video Dr. Ippen]

[Musikstück]

Bevor wir nun, meine Damen und Herren, zur Preisverleihung, zur Laudatio auf den Preisträger Kurt Drawert und zu dessen Dankrede kommen, erlauben Sie mir bitte ein paar Bemerkungen dazu, was die Werner-Bergengruen-Gesellschaft veranlasst, alle zwei Jahre einen Werner-Bergengruen-Preis auszuloben – auch auf die Gefahr hin, mich aus vergangenen Jahren zu wiederholen. Natürlich wollen wir mit dem Preis das Werk und den Namen Werner Bergengruens wieder stärker ins Bewusstsein einer literarisch interessierten Öffentlichkeit heben, nachdem er durch die Kulturrevolutionäre der 68er Zeit und den Bannspruch Adornos – dazu noch völlig missverstanden – in die „Heile-Welt“-Ecke gesteckt, aus den Schullesebüchern und Lehrplänen verbannt und auch von späteren Autoren und Literaturwissenschaftlern fast vergessen wurde. Wir haben Anlass zur Annahme, dass zumindest bei einer jüngeren Autorengeneration die ideologischen Verkrustungen inzwischen aufgebrochen und Hemmschwellen abgebaut wurden. John von Duffels sagte mir schon vor Jahren, das sei doch wohl reine Ideologie gewesen, was da gegen Bergengruen vorgebracht wurde. Matthias Politycki bekannte, seine „Jenseitsnovelle“ (im NDR „am Morgen vorgelesen“) sei von Bergengruens „Ungeschriebener Novelle“ inspiriert. Daniel Kehlmann erzählte mir, mit Bergengruen von Kind an vertraut zu sein, weil der „Großtyrann und das Gericht“ eines der Lieblingsbücher seiner Mutter gewesen sei. Und auch der gerade verstorbene Marcel Reich-Raniccki hat die erzählerische Qualität und den literarhistorischen Wert von Bergengruen nie in Frage gestellt. Nach welchem Kanon nun richtet sich die Auswahl der Bergengruen-Preisträger? Diese Frage wurde mir kürzlich gestellt. Nun, es wird kein Kanon vorgegeben. Einziges Kriterium ist die künstlerische, dichterische Qualität bei zeitgenössischen Autorinnen und Autoren – wie wir auch Bergengruens Werk nur nach dieser Qualität beurteilen. Was in ihm an zeitkritischer, politischer, philosophischer Potenz steckt, mag Zeithistoriker sehr wohl interessieren. Wie wir feststellen, interessiert es sie zunehmend mit Blick auf die sogenannte „Innere Emigration“ und den Widerstand im Dritten Reich; da gehört Werner Bergengruen zum engen Umkreis der „Weißen Rose“ und hat durchaus eine weiße Weste, im Gegensatz etwa zu seinem späteren Kritiker Adorno, der Goebbels zu Gefallen gegen den „Negerjazz“ polemisierte und mit den Bohrmanns verkehrte. Aus Bergengruens Compendium Bergengruenianum ist in dieser Hinsicht noch einiges zu bergen – und wir werden mit unserem Periodikum Bergengrueniana mithelfen zu bergen. Ich kann ihnen sagen: da wird noch einiges gruen! Aber das ist nicht der Maßstab, den wir an unsere Preisträger legen. Uns geht es darum, ob er oder sie Autorinnen oder Autoren von hoher literarischer Qualität sind. Wie vertrauen bei der Auswahl unseren Juroren, ausgewiesenen Kennern der zeitgenössischen Literatur, und sind froh, in Wend Kässens und Tilman Spreckelsen solche wieder gefunden zu haben.